Sarah Gottschalk_This is Jane Wayne-IWISHUSUN interview

Sarah Gottschalk

Mitbegründerin von This is Jane Wayne, Blogger & Wirtschaftsjournalistin, Berlin

Als Teil des Duos hinter dem Blog This Is Jane Wayne hat sich Sarah Gottschalk in der digitalen wie realen deutschen Modewelt in den letzten drei Jahren ihre eigene Welt aus Modenews, persönlichen Einschätzungen, Musik-, Film- und Kunsttipps sowie privaten Lebenserfahrungen aufgebaut – ein Mikrokosmos der beiden Wahl-Berlinerinnen, der auch uns zu täglichen Ausflügen auf ihre Seite verleitet.

Von langer Hand geplant war dieser Weg jedoch nicht, denn als studierte Wirtschaftsjournalistin träumte sie einst von einer Schreiber-Karriere bei dem Handelsblatt. Doch dann sollte es anders kommen: Mit der Sandkastenfreundin Nike van Dinther an der Seite gründete sie Ende 2010 This Is Jane Wayne und zog nach Berlin. Was sie sich aus ihrem Studium jedoch bewahrt hat, ist ihr klarer, kritischer Blick, mit dem sich beide Schreiberinnen von vielen anderen Mode-Blogs distanzieren und nachbohren: „H&M, wo und wie produzierst du? Besuche bei Zara können wir nicht mit unserem Gewissen vereinbaren.“ Für genau jene cleveren Berichte schätzen wir Sarah so sehr und freuen uns darüber, sie nun als Unterstützerin von IWISHUSUN vorstellen zu dürfen. Ein herzliches Willkommen!

Welcher der Sinne ist dir wichtiger, das Hören oder Sehen? Warum?
Oweia, das ist eine furchtbar schwierige Frage. Wenn ich mich allerdings entscheiden müsste, dann für den Hörsinn. Durch Geräusche, Sprache und Musik entwickeln wir eigene Bilder im Kopf – ohne all das wäre selbst jedes Bild nicht das gleiche, oder?

Du bist ein kreativer Mensch. Welche Vision treibt dich bei deiner Arbeit an?
Meine eigene Vision ist eigentlich ziemlich unspannend: Ich möchte glücklich sein und andere Menschen ebenso glücklich machen. Andere Leute durch meine Arbeit zu bereichern oder ihnen Dinge zu zeigen, macht mich glücklich und spornt mich weiter an.

Auch wenn bei euch viel Arbeit und Bedeutung in die Inhalte gesteckt wird, ist ein Blog prinzipiell erst einmal ein visuelles Medium. Wie wichtig ist dessen Visualität für dich? Wie würdest du deine eigene visuelle Sprache beschreiben?
Das Visuelle ist unfassbar wichtig und wird auch immer bedeutender – gerade wenn wir uns Tumblr und Instagram anschauen. Über Bilder habe ich die Chance, Leser zu erreichen und ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Meine visuelle Sprache folgt immer einer gewissen Struktur, ist relativ aufgeräumt und strukturiert – fast schon clean. Ich liebe es, mit schönen Bildern ständig wechselnde Collagen zu bauen. Was im Übrigen manchmal so lange dauert, wie den eigentlichen Text zu schreiben. Ich probiere so lange herum, bis ich zufrieden bin.

Deckt sie sich mit jener, die du für das Leben außerhalb des Internets pflegst?
Puh, ein ja oder ein nein gibt’s da nicht – eher ein jein. Ja, weil ich ein Kopfmensch bin und versuche, Ordnung in meinem Leben zu halten. Nein, weil ich ständig daran scheitere, ständig zu spät komme und meine Wohnung fix in Schutt und Asche legen kann.

Eure Bildsprache hat sich in den letzten Jahren immer wieder stark verändert und mit eurem Relaunch in diesem Monat ein weiteres Mal sich selbst aktualisiert. Kannst du die Entwicklung und eigenen Phasen kurz beschreiben?
Es ist ein ganz normaler Findungsprozess, geht auf gesamte Entwicklungen im Bereich Blogs ein und hat sicherlich auch was mit dem Alter zu tun. Wir sind erwachsener geworden, arbeiten professioneller (weil eben seit bereits 3 Jahren) und wollen dann doch wieder nicht ganz unsere mädchenhaft-kindliche Seite ablegen. Voilà: das neue/alte Jane Wayne.

Als sehender Mensch ist es schwierig, wenn nicht unmöglich, sich die Welt aus der Wahrnehmung eines Blinden vorzustellen und umgekehrt. Wie würdest du einem erblindeten Menschen unsere Umgebung und die Welt beschreiben?
Ich würde ihm nur vom Schönen erzählen, von Blumen-Wiesen und alten Bauten, vom Meer und freundlichen Menschen. Ich glaube, es muss nicht unbedingt jemand tatsächlich erblindet sein – manchmal erblinden wir alle vor dem Positiven und stürzen uns in Probleme und Negatives. Ich würde das Unkraut beiseite schieben und vielleicht erkenne ich in vermeintlich Hässlichem ja auch wieder das Wundervolle?

Apropos: Was ist das Schönste, was du selbst je gesehen hast?
Australien! Australien ist so wunderschön, so facettenreich und jeder Ort birgt andere Schätze in sich. Natürlich gibt’s dort viele Touristen und sicherlich war vor hunderten Jahren alles noch viel schöner, aber für mich war es unfassbar schön – und ja, teils wirkte es unberührt!

Was würdest du gerne häufiger sehen?
Freundliche Menschen und das Meer.

Auch wenn das Bewusstsein für „faire“ Mode immer größer wird, gilt das noch immer nicht für die Produktion der meisten Kleidungsstücke. Auf This is Jane Wayne wird genau das auch immer wieder zum Thema gemacht. Welche Konsequenzen hat das auf deinen eigenen Modekonsum?
Jane Wayne war und ist auch für mich jeden Tag eine Entwicklung und ich lerne ständig mehr. War ich zu Anfang vielleicht unreflektierter und habe wahllos gekauft, versuche ich heute, mir mehr Gedanken über die Langlebigkeit zu machen und investiere mehr und mehr in Lieblingsstücke, die vielleicht etwas teurer sind, dafür aber eben auch viele Jahre im Kleiderschrank bleiben. Und ja, es gibt mehrere Ketten, die ich bewusst boykottiere – ob das nun gesamtgesellschaftlich etwas bewirkt, sei dahin gestellt. Konsumieren kann ich dort dennoch nicht mehr.

Was ist deine Taktik, um die Welt ein wenig zu verbessern?
Bewusstsein schaffen. Eingeständnisse machen und aus Fehlern lernen. Nicht verurteilen und zurückgeben. Sei es finanzielle Unterstützung bei einer NGO, dem Obdachlosen eine Zimtschnecke zu kaufen oder alte Kleidung zu spenden. Gutes tun fängt in den eigenen vier Wänden an, geht vor der Haustüre weiter und bewegt sich erst dann in größeren Radien von uns weg – ohne bedeutender oder unbedeutender zu werden.

Wann hast du zuletzt etwas zurückgegeben und wodurch?
Ich habe gestern nur meiner besten Freundin zugehört, für sie gekocht und versucht, sie zu bestärken. Liebeskummer trifft Zukunftsentscheidungsunfreundlichkeit.

Wer ist dein persönlicher Held?
Das ist wahnsinnig kitschig, aber das ist wohl mein Freund. Keiner kennt mich so gut und kann mir ständig so selbstverständlich weiterhelfen. Und du weißt, er hat viel Arbeit mit mir.

Was ist dein Bild für IWISHUSUN?
Ein Picknick im Feld mit Lampions drumherum, einer karierten Decke und ganz vielen glücklichen Menschen, die laut lachen und tanzen!

Sarah Gottschalk_This is Jane Wayne-IWISHUSUN

2. Foto via Sarah_jane (Instagram).